1279

Stadtrecht

Die erste Fassung der in niederdeutsch
geschriebenen Stader Statuten enthält 11 große
Abschnitte (Stücke). Als Vorlage diente das um 1270
verfasste Hamburger Stadtrecht. Nur das sechste
Stück "Von Gericht und Schlagen" ist eigenständig
verfasst. Im Laufe der Zeit werden Ergänzungen
hinzugefügt, in der zweiten Hälfte des 14. Jh. die
Stücke XII und XIII.

1279

Stadtrecht

Die Stader Statuten umfassen 112 Blätter. Als digitale Version präsentieren wir Ihnen folgende Auszüge:

- Einleitung
I Vom Erbe 1
II Von Erbteilung 10
18
23 [Nachtrag]
III Von Schenkungen 1
IV Von Vormundschaft 3
V Von Schuld 5
26
VI Von Gericht und Schlagen 20
26
VII Vom Zeugnis 7
25 [Nachtrag]
VIII Vom Dienst 5
IX Von Verbrechen 2
3
X Von Vorsatz 4
XI Von Diebstahl und Raub 3
XII Von Reisevorbereitung 1 [Nachtrag]

Einleitung

Einleitung

Richtet recht, Menschenkinder. Im Namen des
Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes
sind diese Rechtssatzungen (ordele)
niedergeschrieben worden von dem klugen Rat
von Stade um der gemeinen Stadt willen,
und niemand mag sie bestreiten bei Verlust seiner
Wohnung, es sei denn, er stützt sich wieder
auf dieses Buch.

Vom Erbe | I.1

Vom Erbe | I.1

Wer sein Erbe innerhalb der Stadt und dem
Weichbild (wicbelde) verkaufen will, soll es
zunächst seinen nächsten Verwandten anbieten.
Wenn keiner kaufen will, muss er es dem
Meistbietenden geben.

Von Erbteilung | II.10

Wenn ein Mann seine Frau ohne deren Schuld
übel behandelt und dies den Nachbarn und
guten Leuten bekannt wird und auch dem Rat,
so soll der Mann sein Gut verlieren (sine godes
unweldisch wesen). Wenn es ihre Schuld ist, soll
er sie in einer Kammer einschließen und ihr nur
ihre Nahrung geben, bis sie wieder Recht
handelt.

Von Erbteilung | II.10

Von Erbteilung | II.18

Wenn ein Mann, krank oder gesund, sein
Testament machen will, soll er zuerst seine
Schulden bezahlen und danach für wohltätige
Zwecke und arme Verwandte so viel von seinem
gewonnenen Gut (wunnenen gode) geben,
wie er will.

Von Erbteilung | II.18

Von Erbteilung | II.23

Von Erbteilung | II.23
Nachtrag (2. Hälfte 14. Jh.)

Die Ratsherren alt und neu sind sich einig geworden,
dass kein Ratsherr einem Übeltäter (overachtere), der
die Bürger der Stadt beraubt, erschlägt, verwundet,
befehdet oder Geld abpresst, Geleit geben soll.

Von Schenkungen | III.1

Von Schenkungen | III.1

Wer Mönch oder Nonne wird, soll keinen
Hausbesitz annehmen oder teilen, es sei denn,
Verwandte geben es um Freundschaft oder Liebe
willen, sonst dürfen sie keine Güter ihrer Eltern
haben.

Von Vormund- schaft | IV.3

Von Vormundschaft | IV.3

Priester, Frauen oder Männer unter 18 Jahren
Dürfen nur mit einem vor dem Rat gewählten
Vormund vor Gericht Gut einfordern, sich
verteidigen oder Gut auflassen.

Von Schuld | V.5

Von Schuld | V.5

Wenn ein Mann den anderen innerhalb der Stadt
(binnen dhesseme wicbelde) wegen
Verletzungen oder Totschlag verklagt und dies
durch zwei ehrenhafte Leute beweisen kann, die
ihn auf frischer Tat ergriffen, mit scharfen
Waffen (ecghewapene) oder flüchtig gesehen
haben, bei Nacht oder Tag, so soll dieser
überführt sein. Ist dies aber nicht der Fall so
soll er seinen Hals behalten; in jedem Fall soll
ihm bei Tag das Zeugnis von zwei ehrenhaften
Leuten, bei Nacht von zwei guten Bürgern helfen.

Von Schuld | V.26

Wenn ein Mann Fahrhabe (varende have)
kauft und den Gottespfennig darauf bezahlt,
soll der Kauf zu Recht bestehen bleiben.
Niemand soll aber aus der Stadt gehen, um
Gut aufzukaufen (vore to kopende), bei einer
Buße von 4 Schillingen. Wenn en Mann vor
seiner Ware in die Stadt kommt und sie
verkauft, bevor sie ankommt muss man das
zulassen (ghat moet wol sin). Wenn ein Mann
Gut kauft und prüft und in seinen Besitz
nimmt (an sine were brincht), dann soll er es
bezahlen und nichts anderes.

Von Schuld | V.26

Von Gericht und Schlagen | VI.20

Wer eines anderen Schwert, Kleid, Kittel
Badelaken oder ähnliches von der Badestube
trägt, weil es seinem gleicht, oder einen
leeren oder vollen Sack von der Mühle fährt
oder zum Sattel Sporen oder ähnliches von
einem anderen Mann nimmt, weil es seinem
gleicht, oder Betten, Kissen oder Bettlaken,
die zusammengelegt sind, weil er meint, sie
seien seine, und dies alles ganz offenbar tut,
dann soll er das Gut nur zurückgeben ohne Buße.

Von Gericht und Schlagen | VI.20

Von Gericht und Schlagen | VI.26

Die Ratsleute, die im Gericht sitzen, tun dies
bei ihrem Eid, dass sie darauf achten, dass
jedermann Recht geschieht, bei Schuld,
Schlägen oder welchen Sachen immer, Armen
und Reichen, Freunden und Fremden gleich.
Sie sollen auch darauf achten, dass der Vogt
niemandem Unrecht tut und niemanden voreilig
verurteilt.

Von Gericht und Schlagen | VI.26

Vom Zeugnis | VII.7

Bringt ein Mann irgend welches Gut über See
(over dhe solten see) in diese freie Stadt, und
jemand stellt Ansprüche, dann soll er das Gut
behalten, wenn er mit zwei ehrenwerten
Männern, die dabei waren, als er das Gut
kaufte, oder seinem Wirt oder seinem
Kaufmannsgenossen oder durch Briefe der
Stadt, wo das Gut gekauft ist, beweisen kann,
dass es seines ist (af to winnendesi).

Vom Zeugnis | VII.7

Vom Zeugnis | VII.25

Vom Zeugnis | VII.25
Nachtrag (1. Hälfte 15. Jh.)

Wenn Leute wüste Grundstücke oder Höfe bei der
Straße haben und einer von ihnen sein Stück
bebauen will und den anderen zu der Mauer bittet,
der soll mit ihm 23 Fuß über der höchsten
Feuerstätte drei Fuß dick mauern, und wenn er
einen Keller mauern will, muss ihm der andere
helfen, es sei denn, er verzichtet auf das Grundstück
oder den Garten.

Vom Dienst | VIII.5

Erleidet jemand im Dienst seines Herrn
Schaden an seinem Leben oder seiner
Gesundheit, soll der Herr ohne Schaden und
Schuld bleiben; er soll dem Knecht aber
seinen vollen Lohn geben.

Vom Dienst | VIII.5

Von Verbrechen | IX.2

Wer einem geächteten Mann zu essen gibt
oder ihn beherbergt, soll eine Buße von 3 Pfund
geben und sich auch durch seinen Eid nicht
lösen können.

Von Verbrechen | IX.2

Von Verbrechen | IX.3

Von Verbrechen | IX.3

Wer bei der Vergewaltigung einer Frau (wif noet)
ergriffen oder gesehen wird oder wem es das
Gerücht der Nachbarn oder guter Leute nachsagt,
der soll eine Buße zahlen. Geschieht es bei Tag,
sollen erbgesessene Leute es bezeugen, geschieht
es bei Nacht, genügt das Zeugnis guter Leute und
Bürger, die kein Erbe besitzen.

Von Vorsatz | X.4

Wird ein Mann geschlagen, der bettlägerig
ist, und kommt er wieder auf und wird
gesehen, wie er zur Kirche, zum Markt oder
zur Badestube geht, und stirbt danach, so
soll derjenige, der ihn geschlagen hat, nicht
die Buße für einen Mord, sondern nur für
Schläge und Wunden geben.

Von Vorsatz | X.4

Von Diebstahl und Raub | XI.3

Wird innerhalb der Stadt jemand totgeschlagen,
so sollen alle daran Beteiligten, die vor Gericht
überführt werden, dies mit ihrem Leben büßen.
Aber eine Wunde darf jeder dem anderen
zufügen oder blaue Flecken, er mag dann aber
Wegen Schläge verklagt werden.

Von Diebstahl und Raub | XI.3

Von Reisevorberei- tung | XII.1

Von Reisevorbereitung | XII.1
Nachtrag (2. Hälfte 14. Jh.)

Dies heißt Reisevorbereitung (vlotvoricheyt); welcher
Bürger wegen seines Handels (kopenschap) und nicht
um Außenstände einzufordern nach Flandern fährt
oder nach England, Schottland, Norwegen, auf
Pilgerfahrt über Meer nach St. Jacob de Compostela,
Rocamadour (Redzemedun) oder nach Riga, für den
soll man über Nacht (over dwernacht) einen
Gerichtstag über seine Schuldner halten und ebenso
soll er für seine Gläubiger vor Gericht erscheinen.